Otto Max Eugen Grosche (1888–1964)

Eugen Grosche wuchs in ärmlichen Verhältnissen in Leipzig auf. Dort lernte er den Theosophen, Rosenkreuzer und späteren Pansophen Heinrich Tränker (1880–1956) kennen. Von Grosche sind aus seiner Leipziger Zeit zwei Adressen bekannt: Zuerst wohnte er mit seiner Mutter Ernestine Margarethe Grosche (geb. Riedel) in der Lange Straße 15, danach zogen die beiden dann in die Schachtstraße 16. Grosches Mutter, von Beruf Schneiderin, soll als Hausdame bei der Theosophischen Gesellschaft angestellt gewesen sein.

Durch den Arbeitsplatz der Mutter kam Eugen Grosche mit der Theosophie in Kontakt, wie sie in Leipzig von Hermann Rudolph (1865–1946) in der Tradition von Franz Hartmann (1838–1912) gelehrt wurde. Eugen Grosche war der Theosophie gegenüber aufgeschlossen. In seinen Augen war „das Studium der Theosophie sehr förderlich und notwendig“. Auch später beim Merkurgrad in der Fraternitas Saturni wurden Kenntnisse über die theosophischen Weltanschauungslehren (Karma, Reinkarnation, 7 Prinzipien und Daseinsebenen) verlangt.

Um seiner Mutter finanziell unter die Arme zu greifen, soll Grosche in der Tränker’schen Buchhandlung und dem dazugehörigen Antiquariat gegen Bezahlung kleinere Tätigkeiten übernommen haben. Sicherlich von Vorteil war dabei für Grosche, dass er eine Buchhändlerlehre in der Leipziger „Müller-Mann’sche Verlags-Buchhandlung“ absolviert hatte. Fast unausweichlich kam er über Tränker in Kontakt mit antiquarischen Büchern aus den verschiedensten Bereichen des Okkultismus. Tränkers persönliche Liebe gehörte dabei der Alchemie, Astrologie, Kabbala, Magie, Mystik, den Rosenkreuzern und der vergleichenden Religionswissenschaft. Literatur aus diesen Bereichen füllten nicht nur die Regale seiner Buchhandlung, sondern auch dessen private Räume. Tränkers Privatbibliothek war in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg bereits recht umfangreich und in den Kreisen der Leipziger Theosophen sehr geschätzt.

Grosche zog bereits im Alter von 23 Jahren, also 1911, nach Berlin. Nach seinem Umzug gründete er dort am 1. Oktober 1913 seine Buchhandlung, die zu der Zeit nur „Inveha“ (Internationales Verlagshaus) hieß. Von einer Spezialisierung in Richtung Okkultismus konnte noch keine Rede sein. Es war eine ganz normale Buchhandlung mit einem Varia-Sortiment. Seinen eigenen Verlag gründete Grosche erst am 1. Dezember 1919.

Es wird behauptet, dass Tränker der Ideengeber für die okkulte Ausrichtung der Buchhandlung von Grosche gewesen sei. Ob dies so war, kann leider nicht verifiziert werden. Offiziell belegt ist hingegen, dass Grosche seine Buchhandlung „Inveha“ am 21. November 1920 in „Okkulte Buchhandlung ‚Inveha‘“ umbenannte. Erst seit diesem Datum trat er offen als Spezialist für Okkultismus, Theosophie, Buddhismus, Astrologie und Geheimwissenschaften auf. Neben Werken der Geheimwissenschaften offerierte Grosche im Laufe der Zeit zusätzlich diverse okkulte Utensilien wie magische Spiegel, Kristallkugeln, Räucherpulver, magische Schutzglyphen für Talismane und Schmuck, siderische Pendel, aber auch Horoskop-Formulare, farbige Planeteneinstecknadeln und alltägliche Dinge wie eine „fetthaltige Hautnährkrem“ namens Citrolan.
Im Herbst des Jahres 1923 begann Eugen Grosche in Berlin mit einem kleinen Kreis von Interessierten, astrologische und okkulte Kurse abzuhalten. Dies führte im Jahre 1924 zur Gründung der astrologisch-esoterischen Arbeitsgemeinschaft. Interne Streitigkeiten führten jedoch noch im selben Jahr dazu, dass die Gruppe sich wieder auflöste. Bereits am 1. Oktober 1924 gründeten u. a. Eugen Grosche und Hans Müller die Esoterische Logenschule. Parallel dazu wurde am 16. Dezember 1924 die Pansophische Loge der lichtsuchenden Brüder Orient Berlin (bestand vom 16.12.1924 bis zum 1.4.1926) gegründet. Der Gründer der Pansophischen Gesellschaft war Heinrich Tränker. Hier bekam Eugen Grosche, der als Sekretär der Loge wirkte, seinen pansophischen Logennamen „Gregor A. Gregorius“. Den Namen, den er auch als Meister vom Stuhl bei der Fraternitas Saturni immer beibehalten sollte.

Im Jahre 1925 kam es zur „Weida-Konferenz“, benannt nach der gleichnamigen Stadt in Thüringen. Der eigentliche Auslöser für die „Konferenz“ lag fast zwei Jahre zurück. Es war der Tod des Oberhauptes des Ordo Templi Orientis (kurz: O.T.O.), Theodor Reuss (geb. 1855), am Sonntag, den 28. Oktober 1923. Reuss hatte zu seinen Lebzeiten versäumt, einen Nachfolger für sich als Oberhaupt des Ordens zu bestimmen, sodass nun die Stelle des Leiters des Ordens vakant war. Um diese Position „bewarb“ sich Aleister Crowley (1875–1947), nachdem Heinrich Tränker bereits früher eingeräumt hatte, kein Interesse daran zu haben, obwohl beide den nationalen X° des O.T.O. besaßen, was sie damit als potenzielle Nachfolger qualifizierte.

Im Laufe der Konferenz kam es zum Streit zwischen Heinrich Tränker und Aleister Crowley. Die Auseinandersetzungen zogen so weite Kreise, dass sich am 1. April 1926 die Berliner Ortsloge der Pansophischen Gesellschaft auflöste. Gregor A. Gregorius gründete kurz darauf, am 8. Mai 1926, zusammen mit vier anderen ehemaligen Pansophen (das waren: Max Staack [Logenname: Frater Maacks], Hans Müller [Logenname: Frater Johannes], Artur Schumacher [Logenname: Frater Erasmus], Joachim Winckelmann [Logenname: Frater Angulus]) die Fraternitas Saturni.

Wer mehr über die Geschichte der Fraternitas Saturni wissen möchte, den darf ich auf mein Buch „Die ersten Jahre der Fraternitas Saturni“ verweisen, das im Februar 2015 erschienen ist [MEHR ERFAHREN]. So viel sei aber schon einmal gesagt: Grosche hatte stets große finanzielle Schwierigkeiten, auch mit seinen buchhändlerischen Unternehmungen. Im Spätsommer des Jahres 1932 übergab er seine Okkulte Buchhandlung an Wilhelm Hafke und leitete in der Zeit auch die Liquidierung seines Verlages in die Wege. Wilhelm Hafke war übrigens der 23-jährige Stiefsohn von Eugen Grosche und gelernter Landwirt. Er war vermutlich nicht mehr als ein Strohmann für Grosche, da Letztgenannter im Hintergrund immer noch die Fäden zog.

Dieses Geschäftsmodell, das keine wirkliche Veränderung der geschäftlichen Basis mit sich brachte, konnte nicht gut gehen und so kam es, wie es kommen musste, die Okkulte Buchhandlung Wilhelm Hafke verfehlte den wirtschaftlichen Neuanfang und schloss am 30. September 1934 ihre Pforten für immer. Ungefähr zeitgleich mit dem Niedergang der Okkulten Buchhandlung beendete auch die Fraternitas Saturni ihre Tätigkeit.

Nachdem Grosche im Laufe der nächsten Jahre immer wieder ungewollt mit der Gestapo in Berührung kam, zog er im Dezember 1936, vermutlich kurz nach seiner letztmaligen Vernehmung durch die Gestapo, in die Schweiz. Während dieser Zeit lebte er in Verscio im Centovalli. Im Jahr 1939 zog er dann von der Schweiz ins italienische Cannero, wo er dann offiziell seit 1. Oktober 1939 in der Via Roma 36 A gemeldet war. Finanzielle Schwierigkeiten brachten ihn dazu, im Jahre 1942 freiwillig nach Deutschland zurückzukehren, wo er dann als Geschäftsführer in der Buchhandlung Johannes Ziller in Riesa tätig war. Von Oktober 1943 bis Oktober 1944 soll er dann, nach seinen eigenen Aussagen, ein Jahr in Schutzhaft verbracht haben.

Nach dem Krieg begann Eugen Grosche mit einer erneuten Erweckung der Fraternitas Saturni. Aber erst am 20. Februar 1957 beantragte Eugen Grosche, zusammen mit Karl Spiesberger und Margarete Berndt, die Registrierung der Fraternitas Saturni im Berliner Vereinsregister.

Bis zu seinem Tode am 5. Januar 1964 blieb Grosche trotz zahlreicher Querelen und Abspaltungen der Leiter der Fraternitas Saturni.

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